Regatten

„True Adventure Race Sailing“ oder: Vegvisir, das Dritte

Donnerstag am 29. August war es wieder so weit: Wir starteten zu unserem dritten Vegvisir mit der Kleinen Brise, B 174, einem in den 1990er Jahren modifizierten 30er Jollenkreuzer, Baujahr 1939.

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Donnerstag am 29. August war es wieder so weit: Wir starteten zu unserem dritten Vegvisir mit der Kleinen Brise, B 174, einem in den 1990er Jahren modifizierten 30er Jollenkreuzer, Baujahr 1939. Der Tag bot hochsommerliche Temperaturen von bis zu 30 Grad, kombiniert mit Winden von etwa 10-15 kn – zunächst aus Südost. Nach einem fast perfekten Pinend-Start auf Stb-Bug mussten wir zunächst einige Konkurrenten mit ihren riesigen Gennakern vorbeiziehen lassen. Aber es kam noch schlimmer. Als wir 5 Minuten nach dem Start bei den beiden Fly By-Marken vor dem Hafen ankamen, waren wir plötzlich extrem langsam. Was war los? Niklas wurde nervös. Der Grund war schnell gefunden: Seegras am Ruder, gefühlt 2 kg. Weg damit und sicherheitshalber auch noch mal das Schwert ganz nach oben. Danach lief es wieder besser. 

 Unten: Ein fast perfekter Pin End Start ©Peter Brøgger Sejlsportsfoto // Vegvisir Race

Vegvisir Race Strat Pinend Peter Brogger Sejlsportsfoto

Abfallen nach Romsø und den großen Spinnaker raus, also erst mal unter der Großen Belt Brücke durch. Inzwischen waren wir wieder auf Platz 2 unserer Gruppe, die Gennaker funktionieren bei schwachem Wind von achtern eben doch nicht so gut wie ein traditioneller Spinnaker. Dann zeigte uns ein Tümmler die Stromkante nach Norden, der dort auf Beute wartete. Inzwischen hatte der Wind noch mal rechts gedreht, also G1 ausrollen, Spi bergen und dann mit 5 kn durchs Wasser und 2 kn Strom wie auf einem Fließband nach Norden.

Nach Romsø ging es zu einer Tonne Richtung Osten. Wir waren plötzlich auf Platz 1, unsere Konkurrenz hatte die Tonne übersehen… Nach der Tonne weiter platt vor dem Laken wieder nach Süden. Inzwischen setzte die Nacht ein. Kein Mond war zu sehen, alles war Schwarz, unbeleuchtete Tonnen tauchten plötzlich im Licht der Stirnlampen auf. Jedenfalls die Große Belt Brücke war mit einer Lichterkette gut sichtbar. Unter der Brücke durch und dann die Inseln Agersø an Steuerbord lassen. Eine X332 näherte sich fast parallel von Steuerbord und hoffte wohl, bei mittlerweile rund 18 kn Wind von achtern noch vor uns durchzurutschen. Nach einigen Minuten übergeigter Parallelfahrt auf unterschiedlichem Bug und lautstarken Rufen (man weiß ja nie, ob nur der Autopilot läuft), entschied sie sich widerwillig zur Halse und verschwand in der Nacht.

Bei Femø erleichterte uns die Jollenkreuzer-Eigenschaften der Kleinen Brise die Entscheidung: wir runden nicht die kleine Insel südöstlich, sondern tasteten uns durch eine Rinne mit angeblich 2 m Wassertiefe – sicherheitshalber mit aufgeholtem Schwert und Ruder. Das sparte 1,5 sm und katapultierte uns auf Platz 4 aller Schiffe unseres Kurses, nur noch hinter der Avanca (Seacart 30 Multihull) und der Freya (Melges 24), die zusammen mit uns gestartet waren, sowie der KnabHorn (J39MOD), die in der Gruppe Medium/Large 15 Minuten nach uns gestartet war. Den Vorsprung konnten wir bis Sonnenaufgang halten, als wir die Rentnerbank (JPK 10.30) aus dem Medium-/Large-Start vorbeiziehen lassen mussten.

Der Rest ist schnell erzählt: Wir fuhren wieder Richtung Südwest mit Langeland an Steuerbord, dann bei Marstal durch die Rinne bis Rudkøbing, da waren wir immer noch auf Platz 1 unserer Gruppe. Danach Flaute. Der Wetterbericht sagte neuen Wind von West, wo wir schon warteten. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, also neuer Wind von Ost und wir auf Platz 2 unserer Gruppe, den wir dann als 9. Monohull aller 47 Starter unseres 151-Seemeilen-Kurses nach 25:42:48 ins Ziel bringen konnten. Aber gegen all die neuen Kisten aus GFK und Karbon immer noch ein schönes Ergebnis für die Kleine Brise und ihre Besatzung.

Das Vegvisir wirbt auf seiner Webseite mit „True Adventure Race Sailing“. Das können wir bestätigen. Für die diesjährige Regatta mit Kursen von 238 Seemeilen, 151 Seemeilen und 90 Seemeilen waren insgesamt 116 Boote gemeldet, von denen 86 an den Start gingen. Wir wollen nächstes Jahr wieder dabei sein – vielleicht mit einem größeren Gennaker.

Vegvisir Race 2

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NRV Redaktion

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