„Der beste Grand Prix seit langem“, „Wow, was für Segeltage“, und ein „herrlicher Wettbewerb bis zum Schluss!“, resümierten die Segelprofis quer durch die Bank die spannenden 7 Wettfahrten vor Travemünde.
Bis zum letzten Rennen war es vorne unglaublich eng, und die Führung wechselte stetig zwischen den am Ende siegreichen Schweden, dem Schweizer Team von Jan Eckert mit Torvar Mirsky und Frederico Melo, das nun mit Silber heimfährt sowie dem drittplatzierten Schweden Jan Secher mit Richard Sydenham und Gerrard Mitchell in der Crew. Lange war auch Christoph Töpfer mit Michael Koch und Markus Koy ganz vorne dabei, auf ihrem Konto ein Tagessieg im vierten Rennen. Nach einer Zeitstrafe und einem fünften Platz im letzten Rennen kam das beste deutsche Team am Ende auf Rang vier.
Einen starken Einstieg hatte Nicola Friesen, die mit Michi Lipp und Martin Westerdahl gleich die erste Wettfahrt gewann. Ganz ohne Tagessieg dafür mit ausnahmslos Top Ten Platzierungen gewann den Grand Prix ex ILCA Olympia Segler Jesper Stålheim (SWE 409) mit Leif Möller (Star Olympia Sydney 2000) und dessen Sohn Jens.
Stålheim war nicht die einzige Segelberühmtheit auf dem Parcours: Der mehrfache Matchrace Weltmeister und Americas Cup Veteran Peter Gilmour, der ganz begeistert von Travemünde war und gar nicht glauben konnte, die Travemünder Woche erst so spät in seinem Seglerleben entdeckt zu haben, kam auf Rang 5 und erreichte sein Ziel „Topten“ damit deutlich.
Peter Gilmour, bekannt dafür, wie sehr er das Niveau im Drachen schätzt, wurde auch in Travemünde nicht müde zu betonen, wie schwer es ist, in der Drachenklasse zu gewinnen. Im Interview gegenüber den Lübecker Nachrichten erklärte er: „Die Konkurrenz ist härter als im America’s Cup. Im Drachen sind alle Boote gleich, der Mensch macht den Unterschied.“
Und so ist es dann auch nicht verwunderlich, dass sich der amtierende Weltmeister Wolf Waschkuhn mit Joao Vidinha und dem ehemaligen Americas Cup Segler Charles Nankin auf Gesamtrang 7 ganz knapp dem Korinthian Preisträger Martin Pålsson mit Berra Johansson und Göran Alm geschlagen geben musste – punktgleich mit Evgeny Braslavetz. Der Ukrainer hatte 1996 vor Atlanta Olympia-Gold im 470er gewonnen und war 2001 in dieser Klasse Weltmeister geworden; im Drachen war er schon zweimal Zweiter (2013 und 2016) beim Drachen Gold Cup. Vor Travemünde segelte Braslavetz mit seiner Stammcrew, den italienischem Brüdern Andrea und Vittorio Zaoli.
Bester deutscher Korinthian Segler wurde der amtierende deutsche Meister vom Starnberger See, Philipp Ocker mit Florian Grosser und Oliver Davies, die mit einem Bullet im letzten Rennen den Grand Prix vor Travemünde auf Gesamtrang 9 beendeten.
Über vier Tage erlebten die Drachen in der Lübecker Bucht ein Segelfest vom feinsten. Die ersten beiden Tage wurde das hochklassiges internationales Drachenfeld mit champaign Bedingungen verwöhnt. Welle, Wind und Sonne. Tag drei forderte mit einem Frontdurchgang – deutlich stärker als angesagt – die Skills der Drachensegler. Bei fast 25 Knoten kamen die Drachen dennoch mit den Bedingungen gut zurecht. Tag vier brachte bei drehenden Winden zunächst ein abgebrochenes Rennen, das dann aber etwas verkürzt doch noch über die Bahn ging.
Neu für den Grand Prix in Deutschland waren die „onwater checks“ vom ungarischen Vermesser Bence Toronyi. Toronyi ging an Tag zwei und drei auf nach den jeweiligen Platzierungen ausgesuchten Boote, um Mastposition, Segelnummern etc zu checken.
Drachenregattamanager Jan Wortmann, der sich um die Organisation des Grand Prix innerhalb der Travemünder Woche gekümmert hatte, schwärmte am Ende der Regatta von den vier Tagen: „Wir hatten so eine gute Wettfahrtleitung, die Betreuung rund um war perfekt und dann noch diese Bedingungen… es war einfach herrlich!“
Bilder: ©Tom Körber/Deutsches Drachengeschwader





