Regatten

Neue Begeisterung für einen schnellen „Klassiker“

505er wie man's liebt und lebt…©Pepe Hartmann Der 505er (die Five) ist schon von einigen NRVern erfolgreich gesegelt worden, z.B. von Claas Lehmann (Weltmeister Barbados 2013), Boris Herrmann (Deutscher Meister 2007, Vizemeister Nordamerika 2007) und Dietrich Scheder-Bieschin (3.

Teilen

505er wie man’s  liebt und lebt…©Pepe Hartmann

Der 505er (die Five) ist schon von einigen NRVern erfolgreich gesegelt worden, z.B. von Claas Lehmann (Weltmeister Barbados 2013), Boris Herrmann (Deutscher Meister 2007, Vizemeister Nordamerika 2007) und Dietrich Scheder-Bieschin (3. der WM 2005 in Warnemünde, Deutscher Meister 2006). Leider ist es in den letzten Jahren etwas ruhiger um den 505er im NRV geworden. Das ist erstaunlich, denn wer ein ganzes Leben, oder jedenfalls einen Lebensabschnitt lang sportlich eine internationale Zweimann(frau)jolle segeln will, kommt an der Five kaum vorbei. Wer nicht eine eigene Olympiakampagne auf die Beine stellen kann oder will, wird im 505er jedenfalls Seglerinnen und Seglern begegnen, die selbst schon olympisch gesegelt sind. Größe und Gewicht der Mannschaft sind zweitrangig, seit die Fiven mit ihren 27qm großen Spinnakern nur noch up and down segeln. Um ein bisschen Werbung für die Klasse zu machen und uns als Ansprechpartner für Interessierte zu outen, wollen wir von zwei kleinen Kampagnen aus diesem Sommer berichten. Vielleicht können wir einigen NRVern Lust auf einen Einstieg machen.

Einstieg in den 505er auf der Alster und der Warnemünder Woche/Eurocup (von Rayan)

Den 505er kenne ich schon sehr lange, weil wir meinen Vater mit der Familie immer auf die großen Regatten begleitet haben (WM Palermo 2008, WM San Francisco 2009, WM Barbados 2013, WM Weymouth 2016, WM Gdynia 2018 und immer wieder Eurocup in Riva am Gardasee). Anfang Juni hat mich mein Vater gefragt, ob ich mit ihm bei der Warnemünder Woche den Eurocup der Fiven als Steuermann segeln will. Ich dachte, das ist eine gute Gelegenheit zum Einstieg. Als mein Vater sagte, zu der Regatta hätten bisher nur Leute gemeldet, die mindestens 20 Jahre Five segeln, einer davon Jørgen Bojsen-Møller mit einer Goldmedaille im Flying Dutchman 1988 in Seoul, kamen mir leichte Bedenken, ob ich der Aufgabe gewachsen bin. Für Training auf der Ostsee war leider keine Zeit mehr. Dankenswerterweise hat uns der NRV erlaubt, unser Boot für ein paar Tage auf den Jugendsteg zu stellen. Von dort haben wir zur Vorbereitung einmal trainiert, zweimal Mittwochsregatta (jedes Mal vordere Hälfte) und den Alsterpokal gesegelt.

Der erste Tag beim Alsterpokal war krass. Da kam vor dem Start eine Regenbö mit knapp 40 kn rüber. Alle Boote sind gekentert. Wichtig war, nicht durchzukentern. Sonst ist bei der flachen Alster der lange Mast der „Five“ schnell krumm. Nach dem Sturm wurde die Wettfahrt mit den noch verbliebenen Teilnehmern gestartet. „Ankommen“ war erst mal unsere Devise. Das klappte ganz gut. Wir wurden 4. von 10. Dabei war noch ordentlich Druck in der Luft. Ein Vorschoter hat mit seinem Handy einen Speed von 20 kn unter Spi gemessen. Für den nächsten Tag brauchte unser Konkurrent Steve Kwee einen Ersatzvorschoter. Steve hatte uns vorher schon seinen Trailer für den Transport unseres Bootes zur Alster geliehen. Jetzt konnte ich mich revanchieren und rief schnell meinen 420er Clubkollegen Leonard Kersten an. Der hat nicht lange gefackelt und ist spontan eingesprungen. Hut ab. Er wurde dann mit Steve 7. von 11, mein Vater und ich wurden 5.

Mit den ersten Erfahrungen von der Alster ging es dann Freitag, den 5. Juli zur Warnemünder Woche. Dort hatten 34 Teilnehmer gemeldet. Der älteste war der Australier Earle Alexander mit 81 Jahren. Ich war der jüngste mit 16 Jahren. Nach der Ankunft wollten wir eigentlich zum ersten Mal auf der Ostsee trainieren, aber es war superwindig und eine Five kam uns schon mit gebrochenem Mast entgegen. Da haben wir lieber unser Material geschont und sind dringeblieben. Am ersten Wettfahrttag gab es immer noch heftige Böen. Beim Rausfahren bemerkten wir, dass mein Vater den Niederholer vom Spi nicht richtig angeknotet hatte. Als er das korrigieren wollte, flog plötzlich der Spi aus der Spitrompete. Wir fuhren drüber und hatten sofort einen Bremsfallschirm hinter dem Ruder, allerdings mit Rissen. Das war dann eher ein Netz. Aber alles hat sein Gutes: Während wir die Spikurse unter weißen Segeln fuhren, kamen wir an mehreren gekenterten Fiven vorbei und konnten einige Plätze gutmachen. Am Ende der Regatta wurden wir 25. von 34. Das lässt hoffen und macht Lust auf mehr.

Französische Meisterschaft in Douarnenez von Donnerstag, 11. Juli bis Samstag, 13. Juli (von Markus)

Mit der Five habe ich 1987 in Mönkeberg bei Kiel angefangen und dann während des Studiums pausiert und Korsar in Süddeutschland gesteuert. Seit 1997 bin ich wieder in der Five als Vorschoter aktiv. Rayan ist erst mein dritter fester Steuermann. Nach der Warnemünder Woche mit Rayan bin ich Dienstag und Mittwoch mit meinem zweiten Steuermann Tim Böger rd. 15 h mit unserem Gespann nach Douarnenez gefahren. Tim ist übrigens Sportwart der 505er Klasse und nicht nur Neueinsteigern gegenüber sehr hilfsbereit.

Wer es noch nicht wusste: Douarnenez liegt südlich von Brest an der Atlantikküste. Dort gibt es bei westlichen Winden schöne Wellen. Es hatten 35 Boote gemeldet. Unter den Teilnehmern und Teilnehmerinnen befand sich auch Segelprominenz: z.B. Florence Lebrun, Olympiateilnehmerin im 470er in1988 (Seoul), 1992 (Barcelona) und 1996 (Atlanta), Michael Quirk (mehrfacher Australischer Meister, Kieler Woche Sieger 2018), Philippe Boite (29-facher französischer Meister, Gewinner der Warnemünder Woche 2024) Ian Pinnel (Weltmeister Palermo 2008 und 16-facher britischer Meister) und nicht zuletzt Roger Gilbert (Europameister 2019). Diese Lichtgestalten unserer Klasse galt es auf der Bahn zu schlagen.

Der erste Tag lief für uns durchwachsen, 13. Platz bei Leichtwind, 3. Platz bei 15 kn. Aber die Regattaleitung hatte sich etwas Nettes ausgedacht: Teamwertungen mit jeweils 3 Mannschaften pro Team. Wir hatten Florence (mit Jaques Dechauffour als Crew) in unserem Team und führten gemeinsam mit der 3. Mannschaft unseres Teams (Loic Bleuez/Guillaume Henrio) die Teamwertung nach dem ersten Tag an. Am zweiten Tag lief es zwar für uns individuell besser: zweimal 3. und einmal 4. Platz bei etwas über 20 kn und 1 m Welle. Aber bei solchen Bedingungen müssen die Halsen sitzen. Leider konnte Florence an diesem Tag nicht abliefern und wir rutschen auf den 3. Platz der Teamwertung.

Am letzten Tag konnten Tim und ich noch einen 3. und einen 2. Platz beisteuern. Insgesamt wurden wir mit einem Punkt Abstand auf Boite/Canot 4. der Einzelwertung. Gewonnen haben Gilbert/Mitchell vor Pinnel/Dwyer. Zum Glück gab es noch die Teamwertung. Florence packte noch mal die Erfahrung aus 3 Olympiakampagnen aus und beendete die letzte Wettfahrt auf Platz 6. Das sicherte uns den Gesamtsieg in der Teamwertung.

Fazit: Die Five kann man von 16 Jahren bis über 80 Jahren relativ unabhängig vom Eigengewicht segeln. Wer in der Jugend intensiv trainiert hat, gar für Olympia, ist im 505er gut aufgehoben. Dabei reicht schon das 420er Training beim NRV, um Anschluss an das Feld zu finden und auf der ganzen Welt attraktive Segelreviere zu erkunden. Die Five ist anspruchsvoll und kann sogar auf der Alster bis zu 20 kn schnell werden. Die Kosten liegen deutlich unter den Kosten einer Olympiakampagne, aber man begegnet immer wieder Olympioniken. Für gute Segler ergeben sich immer wieder Mitsegelgelegenheiten. Neben einer Fiven-Kampagne kann man als Jugendlicher oder jung gebliebener eine normale Ausbildung machen, studieren oder einen normalen Beruf ausüben. Mehr Infos findet ihr auf int.505.de. Wer jetzt nicht in die Five einsteigen will, kann in Douarnenez im Drachen vielleicht den Gold Cup 2025 segeln. Ist ein tolles Revier! Bei Nordwest sollte man links raus unter die Küste. Strom spielte bei uns keine Rolle.

Von links nach rechts:

Die Zweiten der Teamwertung

  • Julien Chazet
  • Graham Elliott
  • Pierre-Yves Chene
  • Ian Pinnel (es fehlt Charles Dwyer)
  • Martin Wedge

Die Sieger der Teamwertung

  • Guillaume Henrio
  • Loic Bleuez
  • Jacques Dechauffour
  • Florence Lebrun
  • Markus Schöner
  • Tim Böger

Autorin oder Autor

NRV Redaktion

Mehr aus dieser Rubrik

Direkt ins Postfach

Jede Woche Neues vom Wasser

Geschichten, Termine und Ergebnisse aus dem NRV – einmal in der Woche, kurz zusammengefasst.